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Polnisches Kino

in Braunschweig

zwei Filme von Lech J. Majewski

 

Mittwoch, 17. April 2002

18.00 Uhr „WOJACZEK"

90 min, Originalfassung mit deutschen. Ut.

20.30 Uhr „ANGELUS"

110 min, Originalfassung mit engl. Ut.

Eintritt: pro Film 4

Ort: KINO UNIVERSUM

Im Anschluss Diskussion mit dem Regisseur Lech J. Majewski !!!

Projektkonzeption: Grażyna Słomka /Langenhagen

Veranstalter: Deutsch-Polnischer KulturVerein Braunschweig e.V.

in Kooperation mit dem Generalkonsulat der Republik Polen in Hamburg und CinemaxX, H.J.Flebbe Filmtheaterbetriebe GmbH

 

Mit freundlicher Unterstützung der Fa. Rücker GmbH – Gifhorn, Konstruktionsbüro

Lech J. Majewski

Regisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent, Bühnenautor, Komponist,

 

geb. am 30. August 1953 in Kattowitz, Polen

Lech Majewski ist Theater-, Oper- und Filmregisseur. Er ist Dichter, Schriftsteller und Maler. Er arbeitet vorwiegend im Ausland, sporadisch macht er jedoch Filme auch in Polen. Den größten Erfolg und die größte Anerkennung - darunter 23 Preise bei mehreren internationalen Filmfestivals und einen Sitz mit Stimmrecht in der Europäischen Filmakademie - verschaffte ihm der schwarz-weiße Film „Wojaczek". Über seine künstlerischen Leidenschaften sprach er in einem Interview für uns: „Mich durchdringen unterschiedliche Emotionen, die ich entweder durch ein Buch oder durch einen Film verwirkliche. Das wiederum regt andere Personen an."

Im Jahre 1978 hat er sein Studium an der Fakultät für Regie der Staatlichen Film- und Theaterhochschule in Lodz absolviert. Er erinnert sich: „Der Film wurde sehr schlecht durch die polnische Kritik angenommen. Man wollte mir kein Debüt für den Film geben. Ohne die Einmischung von Agnieszka Holland wäre ich als Regisseur in Polen nicht zugelassen". Die negative Aufnahme des Filmes als auch persönliche Umstände – die Trennung von der geliebten Person – haben entschieden, dass Majewski beschloss, ins Ausland zu gehen. Die Gelegenheit ergab sich schnell. Mit seinem Film „Ritter" wurde er zu einem von der Cambridge Universität organisierten Festival der Mittelalterkunst eingeladen. Sein Film wurde neben den Filmen von Werner Herzog und John Bormann gezeigt. Anders als in Polen, wurde sein Film in England sehr gut beurteilt: „Das war wie ein Wunderheilmittel nach all diesen Wunden, die mir in der Heimat zugefügt wurden, wo mir gesagt wurde, dass der Film überhaupt keinen Sinn hat". Bald kamen mehrere Angebote. Das Londoner National Theatre hat eine eigene Inszenierung des „Ritters" vorbereitet. In London hat Majewski auch eine Filmreihe des polnischen Kinos „Die Schüler von Wojciech Has" vorbereitet, in der er neben seinem Debütfilm auch die Werke von Piotr Szulkin, Wojciech Marczewski und Filip Bajon präsentierte. Im Jahre 1982 hat er auf einem Schiff auf der Themse seine eigene Auffassung von „Odyssee" vorbereitet. Kurz darauf hat er den Filmproduzenten Milos Forman kennen gelernt und ein Angebot aus Hollywood bekommen.

Im Jahre 1987 zeigte der Regisseur seinen ersten amerikanischen Film – „Der Flug der Fichtengans" nach dem eigenen Roman „Kasztanaja". Bis heute bewahrt er eine Kassette vom Künstlercasting für diesen Film: „Ich habe die Kassette vom Casting, wo um die männliche Hauptrolle Patrick Swyze, Tom Hanks und Kevin Costner – damals völlig unbekannte Personen - gerungen haben . Ich habe sie alle, einen nach dem anderen, rücksichtslos abgelehnt. Wenn ich manchmal schlecht gelaunt bin, dann schaue ich mir die Kassette an (er lacht)".

Seinen nächsten Film, eine Geschichte über einen Buchhalter der sogar in der Wüste Leute zur Rechenschaft zieht – „Das Evangelium nach Harry" - zeigte er erst 1993. Abermals fand der Künstler kein Verständnis in der Heimat und wiederum eine positive Aufnahme in der Welt. 1995 kam aus Amerika das Angebot, ein Drehbuch zum Film "Basquait – der Tanz mit dem Tod" zu schreiben und die Filmproduktion zu übernehmen – Regie sollte Julian Schnalb führen und David Bowie die Rolle von Andy Warhol spielen. Er gibt selbst zu: „Ich ahnte nicht, dass ich mal Polen verlasse, dass ich die ganze Welt kennen lerne, dass ich in Hollywood arbeiten werde, dass ich Leute kennen lerne, die ich schätze und dass sie meine Filme sehen werden, dass Stanley Kubrick mir Ratschläge geben und mit mir diskutieren wird. Ich habe nicht einmal davon geträumt, und das alles ist passiert".

Nach der Verfilmung seiner autobiografischen Oper – „Pokoj Saren" (1997), die u.a. non-stop in einem speziellen Saal des Museums für Zeitgenössische Kunst in Buenos Aires vorgeführt war, hat er in Polen in dem schwarz-weißen Film „Wojaczek" (1999) Regie geführt. Der Film war ursprünglich nur für das Fernsehen bestimmt, fand aber dann einen Kino-Vertreiber. Der Film hat schnell einen treuen Kreis von Fans gefunden und wurde gut von der polnischen Kritik aufgenommen: „Dieses Phänomen werde ich nie verstehen können. Ich bin schockiert, weil ich den „Wojaczek" ohne jegliche Ansprüche auf ein Massenprodukt oder große Popularität gemacht habe. Im Grunde genommen sollte es nur eine einzige Ausstrahlung nach Mitternacht im Zweiten Fernsehprogramm geben – für solche „hard-cors „, die die Poesie lieben. Und es hat sich herausgestellt, dass der Film auch in Kinos gezeigt wird und in die weite Welt hinaus geht. Alle Schöpfer des Filmes sind stimmberechtigte Mitglieder der Europäischen Filmakademie geworden, und der Laienschauspieler, der die Rolle des Wojaczek spielte, wurde zum Schauspielhauptpreis nominiert". Darüber hinaus hat Majewski den Preis für Regie bei dem Filmfestival in Gdynia bekommen und auch den Don-Quichotte-Preis des Unabhängigen Kinos in Barcelona erhalten.

Im Jahre 2001 zeigte der Autor, der sein Interesse an Magie nie verborgen hat, seinen nächsten Film, der sich auf einer wahren Geschichte über eine okkultistische Gruppe namens „Angelus" stützt, die in den 30. und in den ersten Nachkriegsjahren in Schlesien existierte. Am Drehbuch dieses Films – der vom Vertreiber als eine „metaphysische Komödie darüber, wie der Saturnstrahl die Erde rammte", und von der Kritik als „schlesische Version von ´100 Jahre Einsamkeit`" bezeichnet wurde - arbeitete er mit Ireneusz Siwiński und Bronisław Maj zusammen. Er engagierte abermals Laien als Schauspieler. Der Film wurde beim Filmfestival in Lagow preisgekrönt und auch während der Filmfestspiele in Kazimierz Dolny (Der VII. Filmsommer) und in Gdynia (Die XXVI. Festspiele des Polnischen Films) gezeigt.

Seit dem Anfang seiner künstlerischen Karriere arbeitet Majewski im Theater. Im Jahre 1977 hat er zum ersten Mal im Theater Studio „Die Odyssee" gezeigt. Nachdem er Polen verlassen hatte, arbeitete er auf den Bühnen in Brasilien, England, den USA und Italien. Er ist Autor von mehreren Poesiealben: „Die Sagen von tausend Nächten und einer Stadt" (1977), „Die Suche nach dem Paradies" (1978), „Die Wohnung" (1981), „Das Museum meiner Elend" (1997), „Der heilige Sebastian" (1998). Er veröffentlichte auch Romane: "Kasztanaja" (1981), "Die Ratten von Manhattan" (1993) und "Die Pilgerfahrt zum Grab von Brigitte Bardot der Wundersamen" (1996). Am 20. November 2001 wurde eine Ausstellung seiner Werke in Venedig eröffnet. Im April 2002 werden seine Filme im Museum Of Modern Art In New York gezeigt.

Lech Majewski lebet und arbeitet in Venedig.

 

Wojaczek" / „Wojaczek"

Rafal Wojaczek Lebensstil hinterließen im Leben vieler junger Polen einen tiefen Eindruck. Er trank, kämpfte, ging durch Fenster, hängte sich auf und sprang aus dem dritten Stock. Ununterbrochen mit dem Tod konfrontiert, versuchte er ihn zu bezwingen. Frauen bewunderten ihn, während er nur einen liebte: sich selbst. Er lebte wie ein zum Tode Verurteilter nur für die Poesie. In dem Bewußtsein, daß Menschen, die in verworrenen Zeiten leben, einen Mythos brauchen, fütterte Wojaczek seine Legende mit der trivialen Realität des sozialistischen Polen." Lech Majewski
Wojaczek spielt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Der Zuschauer taucht in diesen Film ein, als hätte er einen Sprung in die 60er Jahre gemacht. Das Klima dieser Zeit ist heutzutage für viele junge Menschen anziehend, vielleicht für sie mehr als für uns. Wojaczek – im langen, fleckigen Kaftan, eine Zigarette im Mund, mit den Händen komisch gestikulierend, auf eine besondere Art aus kleinen Gläsern Wodka trinkend, als würde er eine private Messe feiern – hat etwas sehr Charakteristisches für einen Kinohelden jener Jahre. Er ist ein Außenseiter, der an der Grenze der Realität balanciert, als wollte er jeden Augenblick abspringen

Rafal Wojaczek war schon zu Lebzeiten eine Legende, ein Mythos, eine magische Gestalt. Ein Dichter, der in der Kultur der polnischen „Volksrepublik" in den späten 60-iger Jahren ein absoluter Außenseiter war. Er starb 1971, 26-Jährig viel zu früh.

Regie Lech J.Majewski

Drehbuch Lech J.Majewski, Maciej Mielecki

Kamera Adam Sikora

Sound Ryszard Krupa

Darsteller Krzysztof Siwczyk, Dominika Ostalowska, Elzbiete

Okupska, Andrzej Masztalerz

OF mit deutschen Untertiteln, 2689 Meter, 90 Min, 10 Akten, 35 mm, SW, Polen 1999

 

„Angelus" / „Angelus"

 

Der Film basiert auf wirklichen Geschehnissen in Schlesien in den 30-iger Jahren und in ersten Nachkriegsjahren.

Er zeigt das erstaunliche Phänomen der in diesen Jahren in schlesischem Janow bestehenden okultistischen Gemeinde. Der Elektriker aus der hiesigen Kohlengrube, Teofil Ociepka, Erreicht den Einweihungsgrad des „Geheimen Meisters" und sammelt um sich eine immer größer werdende Gruppe von Menschen, die sich für die Parapsychologie interessieren. Janow wird zu einem wichtigen Zentrum des Okultismus.

Nach dem zweiten Weltkrieg wird Janow zu einer bunten Oase in der grauen stalinistischen Wüste, zu einem spiritischen Abenteuer. Der Film schöpft aus den Paradoxen und Kontrasten dieser ungewöhnlichen Geschichte.

 

Regie Lech J.Majewski

Drehbuch Lech J.Majewski, Bronislaw Maj, Ireneusz Sliwinski

Kamera Adam Sikora

Musik Lach J.Majewski, Jözef Skrzek

Darsteller Elzbieta Okupska, Jan siodlaczek, Malgorzata Madejowska,

Grzegorz Stasiak, Jacenty Jedrusik.

 

OF mit engl. Untertiteln

3035 Meter, 110 Min, 6 Akten, 35 mm

Polen 2001

Weitere Termine

DI,28.05.02
FILMLAND POLEN 2002
Vorführungen des Films von Filip Bajon
19.30 Uhr „Der Vorfrühling" („Przedwiośnie”) Eintritt: 4€
Ort: KINO UNIVERSUM (neben City Point)

Veranstalter: Deutsch-Polnischer KulturVerein Braunschweig e.V. in Kooperation mit dem Generalkonsulat der Republik Polen in Hamburg und CinemaxX, H.J.Flebbe Filmtheaterbetriebe GmbH
Infotelefon: 0531/284 37 27

Veranstalter: Deutsch-Polnischer KulturVerein Braunschweig e.V.
Infotelefon: 0531/284 37 27

MI, 11.09.02 . FILMLAND POLEN 2002
Vorführungen von zwei Filmen zum Thema „Polnisch-Jüdische Beziehungen"
18.00
20.30 Uhr „Weiser", Regie Wojciech Marzewski nach Roman von Pawel Heulle „Weiser Dawidek"
Eintritt: 4€

Ort: KINO UNIVERSUM (neben City Point)

Veranstalter: Deutsch-Polnischer KulturVerein Braunschweig e.V. in Kooperation mit dem Generalkonsulat der Republik Polen in Hamburg und CinemaxX, H.J.Flebbe Filmtheaterbetriebe GmbH, Infotelefon: 0531/284 37 27

MI, 20.11.02 . FILMLAND POLEN 2002
Filmvorführung
20.30 Uhr „Tschüß Tereska" („Cześć Tereska")
Grand Prix auf dem Filmfestival in Gdynia 2001
Eintritt: 4€

Ort: KINO UNIVERSUM (neben City Point)
Veranstalter: Deutsch-Polnischer KulturVerein Braunschweig e.V. in Kooperation mit dem Generalkonsulat der Republik Polen in Hamburg und CinemaxX, H.J.Flebbe Filmtheaterbetriebe GmbH
Infotelefon: 0531/284 37 27

Mit freundlichen Grüßen
Gregor Kaluza