Am 27 Januar 2010 wurde im Jüdischen Gemeindehaus in Charlottenburg der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung des KZ – Auschwitz feierlich begangen. Initiiert wurde diese Veranstaltung vom Bundesverband Polnisches Forum in Deutschland e.V. unter Beteiligung der Botschaften des Staates Israel und der Republik Polen, sowie die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit und die Wilanowska Akademie. Die Veranstaltung begann in einer feierlichen Gedenkzeremonie und Kranzniederlegung vor dem Jüdischen Gemeindehaus, in der der Opfer des Nationalsozialismus gedacht und mit einem jüdischen Gebet beendet wurde. Anschließend wurde zu einem Kammerkonzert im Jüdischen Gemeindehaus geladen. Die Begrüßungsworte wurden vom Mitglied der Jüdischen Gemeinde Herrn Dr. J. Palenker gesprochen. Es folgte die Ansprache des Kulturstaatssekretärs Andre Schmitz, der mit eindringlichen Worten mahnte, die unvergleichbaren Verbrechen der Nationalsozialisten nie in Vergessenheit geraten zu lassen.
Das darauf folgende Kammerkonzert und die vorgetragenen Lieder im großen Saal der Jüdischen Gemeinde wurden von Herrn Dr. Antoni Buchner moderiert. Er berichtete zunächst über das Leben und Schicksal des Komponisten Szymon Laks, dessen Leidensweg durch mehrere deutsche Konzentrationslager ging und schließlich über seine Befreiung aus der Todesfabrik Auschwitz-Birkenau. Der Vernichtung konnte Szymon Laks nur dank der Tatsache entgehen, dass er Musiker in Auschwitz war. Nach seiner Befreiung war Szymon Laks wiederum in Paris als Komponist und Schriftsteller tätig. Kostproben seines musikalischen Schaffens hat anschließend das polnische Streichquartett - allesamt Mitglieder des Orchesters der Deutschen Oper, die polnische Pianistin Ewa Tomaszewska und die amerikanische Sängerin Julia Benzinger dargeboten. Eindrucksvoll hat es Herr Dr. Antoni Buchner verstanden, Begebenheiten in die Moderation ein zu flechten, die das Grauen des KZ Aufenthaltes von Szymon Laks sehr lebensnah darstellten. So wurde den Juden von den Nationalsozialisten die kulturelle Fähigkeit abgesprochen klassische Musik zu verstehen, geschweige denn komponieren zu können. Man gestand ihnen bestenfalls Volksmusik zu. Szymon Laks war ein Beispiel für das genaue Gegenteil dieser unsinnigen Behauptung. Nur Rassenwahn und Ignorierung der kulturellen Leistung der polnisch – jüdischen Kultur konnte eine derartige Propaganda ermöglichen. Das Konzert im Jüdischen Gemeindehaus hat bewiesen, dass Szymon Laks klassische Musik auf höchstem künstlerischem Niveua komponiert hat. Man kann die Tiefe seiner musikalischen Sensibilität fast mit Händen greifen. Sie ist ein Spiegelbild seines zerrissenen, von Erschütterungen, Leid, Zweifel und Angst geprägten Lebens. Zwischen den Tönen hört man bei ihm mehr als nur ein Konzert, es ist ein musikalisches Drama von eindringlicher Intensität. Bedauerlich an der Veranstaltung war allerdings, dass kaum junge Menschen zu sehen waren. Der Veranstalter sollte sich zukünftig bemühen, gerade auch Jugendliche hierfür zu interessieren. Möglichkeiten gibt es viele, man muss sie nur nutzen. Das Interesse Jugendlicher an der Gedenkkultur, insbesondere für die Opfer des Nationalsozialismus, sollte man nicht unterschätzen. Sie müssen eben angesprochen werden. Das kann nur in den Schulen, Jugendeinrichtungen und Institutionen geschehen. Die Veranstaltung im Jüdischen Gemeindehaus war jedoch eine würdige und dem Anliegen angemessene Gedenkfeier. Krystyna Koziewicz, Helmut L. |
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